Stadt als Garten

Gemeinsam mit dem Berner Wildpflanzen Märit und der Berner Fachhochschule – Departement, Architektur, Holz und Bau haben wir 2022 bis 2024 für die Quartierkommission DIALOG Nordquartier eine partizipative Veranstaltungsreihe als Impulsprojekt mit drei Modellflächen im öffentlichen Raum und privaten guten Beispielen entwickelt und lanciert.

Die letzte öffentliche Modellfläche wurde 2024 an der Schänzlihalde entsiegelt.

Modellflächen

Unterschlupf für Kleintiere

Modellfläche Nr. 1

Eingerichtet durch den
Berner Wildpflanzen Märit

Die erste Fläche wurde durch Simon Bolz (Sträucherei) und Katrin Morina (Gartenbauschule Hünibach) vom Berner Wildpflanzen Märit mit dem Quartierverein Kursaal entsiegelt > zu den Impressionen

Wo: Piazza Ecke Breitenrainstrasse/ Kyburgstrasse

Modellfläche Nr. 2

Wildquadrat auf dem Breitsch-Platz

Vor dem Migros hat der DIALOG Nordquartier mit dem Quartier eine durch die Stadt entsiegelte Fläche mit Wildpfplanzen bestückt. Die einheimischen Wildpflanzen haben öko Gärtnerei Maurer und Wyss Garten gestiftet. Alle neu entsiegelten Flächen des Projekts «dr nöi Breitsch» wurden nun mit einheimischen Wildpflanzen begrünt.

Passend zum Jane’s Walk Day wurden die «nöien» Flächen flanierend, spielend und mit lebendigen Schaufenstern erkundet, befragt und gefeiert. Restaurants, Läden und Ateliers begannen sich frühlingshaft zu schmücken. Es wurden Jubiläen & Neueröffnungen gefeiert > zu den Impressionen

Wo: Breitenrainplatz

Modellfläche Nr. 2
African Fashion Today (mphotos)

Modellfläche Nr. 3

Kristina und Nora vom Pflanzenbrocki

Pflanzenbrocki
mit Bern Unverpackt im Löscher

Am Secret Garden vom 7. Mai 2023 feierten Löscher, Bern unverpackt und das Pflanzenbrocki ihre neue Nachbarschaft in der Feuerwehr Viktoria. Beim Pflanzenbrocki findest du das ganze Jahr Tipps, Erde und vor allem Pflanzen, die sich über ein neues Zuhause freuen.
> zum tollen SRF-Film

Wo: Feuerwehr Viktoria

Modellfläche Nr. 4

9a am Staufacherplatz

Das kleine Kunsthaus 9a am Stauffacherplatz ist nicht nur wegen seinen Ausstellungen ein Besuch wert: Das Gebäude mit seinem vorbildlich entsiegelten Umschwung und den vielfältig-wilden Planzen ist bereits ein Augenschmaus.

Passend zum Nachbarschaftstag hat das 9a-Team Ende April das Angebot der BiodiversitätsNachbarschaft von Stadtgrün Bern vorgestellt: Mehrere Gärten können sich zusammen schliessen, um ein Netzwerk für Kleinstlebewesen zu bilden. Wie wäre es, wenn rund um den BiodiversitätsGarten am Stockerenweg 4 eine biodiverse Nachbarschaft zustande käme?

Wo: Stauffacherstrasse 9a

«Quar-Tier» mit Mini-Ruderalfläche
Wechselnde Ausstellungen im kleinen Kunsthaus 9a

Modellfläche Nr. 5

Privat-Entsiegelung beim City Cycles

Schicke Entsiegelung beim City Cycles

Am «Breitschmärit» wurde die vorbildlich entsiegelte Modellfläche Nr. 5 vor dem City Cycles vorgestellt. Geschäftsführer Olivier Busato hat seinen Vorplatz naturnah gestaltet: Mit dem auf Bienenköniginnenzucht spezialisierte Berner Naturgartenbaubetrieb Meili Gartenbau hat er das vormals mit Steinplatten und Neophyten verstellte Entrée mit Sandstein-Sitzgelegenheiten, Weissdorn und zauberhaften Wildstauden bestückt. Das im gleichen Gebäude befindliche Hotel Waldhorn, hat das Projekt als Eigentümer mitfinanziert und freut sich über das gelungene Ergebnis. Die Betriebe geben gerne Auskunft.

Wo: Spitalackerstrasse 50

Modellfläche Nr. 6

Wildpflanzen im Quartier

Suchst du im Quartier nach passenden einheimischen Wildpflanzen, Samenmischungen und Strukturen für Deinen Garten, Fassade oder Balkon ? Bei Wyss Garten findest du kompetente Beratung und im Sommerhalbjahr ein reichhaltiges Pflanzensortiment des Vereins Floretia. Auf floretia.ch findest du Kurse und Naturgatenberatung. Mit deiner Postleitzahl kannst du nach passenden Pflanzen suchen.

Wo: Moserstrasse 14b

Fillialleiterin Jael Hofstetter mit Flair für einheimische Wildpflanzen

Modellfläche Nr. 7

Ypsilonfest 2023
Modellfläche Nr. 7

Greyerzstrasse 50 im «Ypsilon»

Am wunderschönen «Y-Fest» wurde das Potenzial von in Communities eingebeteten Begegnungszonen deutlich: Konzerte, selbst mitgebrachte Tische der Anwohnerschaft und der Spielbus für alle zauberten eine unaufgeregte, belebte Stimmung ins Quartier.

Als Lernort stellen wir die Kreativ-WG an der Greyerzstrasse 50 vor, welche den Garten komplett entsiegelt und das Eternit-Dach des Velounterstands in eine Rudealfläche umfunktioniert hat. Das Projekt erhielt einen Preis von Mission B. Dank dem Schattenstandort genügen 10 cm Kies in einem Metallblech, um im Sommer meterhohe Wildstauden wachsen zu lassen.
> Hier gehts zum Film auf SRF

Wo: Greyerzstrasse 50

Modellfläche Nr. 8

Mobile Gärten auf dem Markus-Areal

Die drei Kirchgemeinden im Nordquartier feierten am 1. und 2. Juli 2023 ihr gemeinsames Sommerfest. Als Modellfläche Nr. 8 haben wir die von Andreas Abebe ins Leben gerufenen mobilen Gärten gewählt.
Diese waren bis zum Umbau des Markusareals zu bewundern. Dieses wird nun biodiverser gestaltet.

Wo: Markuskirche, Tellstrasse 33, 3014 Bern

Mobile Gärten auf dem Markusareal

Modellfläche Nr. 9

Bis an die Hauswand entsiegelt

Eingerichtet durch Architectum

Das Büro Architectum an der Moserstrasse hat für die private Bauherrschaft einen Garten vorbildlich entsiegelt. Dies ist bis an die Hauswand möglich, was die Hitze reduziert, das Wasser versickern und wieder verdunsten lässt und die Lebensqualität ums Haus massgeblich steigert.

Wo: Breitfeldstrasse 38

Modellfläche Nr. 10

Step by step

Inspiriert durch die Stadt als Garten Anlässe haben zwei Familien kurzerhand die Entsiegelung des eigenen Gartens gestartet. «Wir müssen den zweiten Teil gemütlich angehen, aber unser Interesse an einer noch klimaangepassteren und naturnaheren Gartengestaltung ist geweckt».

Wo: Wyttenbachstrasse 23

Spannender Work in Progress, geht es in Richtung naturnahen Garten?

Gartenkurse für Kinder

Marienkirche

Vielleicht entstehen hier weitere Modellflächen: Die Marienkirche bietet «AckerRacker»-Gartenkurse für Kinder an.

Wo: Pfarreigarten der Marienkirche

Weitere Modellfläche an der Schänzlihalde

Am Vernetzungsanlass des Quartierverein Kursaal wurde mit der Pro Natura Jugendgruppe unter Anleitung von Andreas Augsburger, Mitgründer Faunaberna und langjähriger Naturgärtner bei der Bächtelen-Stiftung die letzte Entsiegelung angeplant.
2024 kamen der nachhaltige Reiseanbieter railtour hinzu.

> Hier gehts zur Entsiegelung 2024

Wo: beim Spielschiff, Ecke Greyerzstrasse/Wyttenbachstrasse/Schänzlihalde

Möchtest du eine bereits vorbildlich entsiegelte Fläche vorstellen und/oder einen privaten Vorplatz, Weg oder Parkplatz neu entsiegeln ? Wir freuen uns immer über Fotos von neuen Projekten. Bei Interesse E-Mail, am liebsten mit Kurzbeschrieb und vorher/nachher Foto an info@entsiegeln.art

Aufbruch

Die richtigen Pflanzen finden

Bei den Anbieterinnen des grössten Wildpflanzenmarkt der Schweiz findest du das ganze Jahr hindurch einheimische Wildpflanzen und Beratung für deine eigenen «Aufbruchprojekte»: von Vorplätzen, Wegen bis Fassadenbegrünungen.

Wo: das ganze Jahr unter www.wildpflanzenmaerit.ch

Das Quadrat

Das Quadrat erinnert daran, Sorge zu unseren Stadträumen zu tragen. Auch kleine entsiegelte, mit einheimischen Wildpflanzen begrünte Flächen bieten Insekten Nahrung und Unterschlupf, stellen die natürlichen Wasserkreisläufe wieder her und fördern die Lebensqualität in den Quartieren. Gleichzeitig ist der Quadratmeter das Mass, das den Boden erst als Ressource verfügbar und zuteilbar macht.

Kunst-Schaufensterchen im Breitsch-Träff

Collage der Naturgärtnerin und Künstlerin Maja Hummerjohann

Quadrat-Kunst

Kuratiert durch Ursula Zimmermann gab es im grün umrandeten Fenster des Breitsch-Träffs Entsiegelungskunst und Infos zum Stadt als Garten zu entdecken. Quadrat-Collagen von Maja Hummerjohann.

Wo: Breitenrainplatz 27 / Eingang Herzogstrasse

Da sich Wildpflanzen nicht an Grundbucheinträge und Grundstückgrenzen halten, ist das Quadrat auch andernorts inszenierbar. Wir freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.

Duscha Padrutt
info@entsiegeln.art

Ganz herzlichen Dank an:

Und speziell an: Chantal Wyssmüller, Andreas Abebe, Maja Hummerjohann, Verena Näf, Urs Jost, Romano Manazza, Nadine Sutter, Claudia Luder, Nina Müller, Dominique Turzer, Dana Badulescu, Simon Bolz, Katrin Morina, Helena Meichtry, Isa Maurer, Michèle Witschi, Stefan Hofmann, Therèse Rieser, Olivier Busato, Katrin Künzi, Timea Rusz, Daniel Baur, Urs Stalder, Charles Job, Corinna Elena Marti, Nicole Stolte-Leeb, Daniel Luck, Gabi Morawietz, Susanne Baltensperger, Valentin Behringer, Djurdjica Horvatin, Ursula Zimmmermann, Tom Klöti, Ursina Iselin, Katharina Staerk, Andreas Abebe, Mandana Trucco, Res Hofmann, Timon Richiger, Andreas Bugs u.v.m.

Der «Bärner Wildpflanzen Märit»

zwei tanzende Märchengestalten

Dieser wundervolle jährlich stattfindende Frühlingsanlass ist der grösste Wildpflanzenmarkt der Schweiz. Eine ideale Gelegenheit, um in die Welt der Grenzen sprengenden Pflanzenmagie einzutauchen. Wer hier eine Wildpflanze kauft, läuft Gefahr, ihrem Zauber nie mehr ganz zu entkommen.

Wildpflanzen-Betriebe aus der ganzen Region präsentieren jeden Frühling im April auf dem Bundesplatz Tausende von Pflanzensetzlingen nach Standortkategorie von sumpfig-schattig bis trocken-mediterran. So können Sie sich je nach Lage Ihres Balkons, Gartens oder Fenstersimses Ihre Pflanzen spontan zusammen stellen. Hier finden Sie praktische Beratung: Die Anbieterinnen und Anbieter wissen alles über Anbau, Pflege oder Nützlichkeit für Insekten und Bienen. Sie erfahren aber auch, welche Heilkräfte den Pflanzen zugeschrieben werden und welche Pflanzengeister in oder auf ihnen leben.

2023 hat der Bärner Wildpflanzen sein 30-jähriges Jubiläum das Motto «Aufbruch» gegeben und die Modellfläche Nr.1 für die Veranstaltungsreihe Stadt als Garten beigesteuert.

2022 ist am Bärner Wildpflanzen Wildpflanzen Märit das Entsiegelungslabor entstanden.

Wer in der Region Bern Entsiegelungs- und Begrünungsprojekte plant, findet hier bestimmt die richtige Ansprechsperson.

Für die Agenda (wir freuen uns schon):
Mittwoch, 23. April 2025
7–17 Uhr

Bundesplatz Bern

wildpflanzenmaerit.ch

Das zauberhafte Plakat von 2022, gestaltet durch die Grafikerin Dana Badalescu.

Warum Entsiegeln?

In städtischen Quartieren ist ein Grossteil des Bodens versiegelt, das heisst durch Asphalt, herkömmlichen Beton, Schotter mit Plastikfolie oder gebundene Pflästerung bedeckt. Dies hat kurzfristig Vorteile, mit der Klimakrise werden jedoch die Nachteile für den Menschen immer offensichtlicher und teurer: Die Artenvielfalt sinkt. Der Umgang mit den zunehmenden Wetterextremen wird erschwert und es kommt im Sommer häufiger zu Hitzeinseln.

Eine Schlüsselmassnahme besteht darin, wo immer möglich, kleinere und grössere Flächen unvesiegelt zu belassen oder wieder zu entsiegeln und so vielfältig wie möglich mit Bäumen, Hecken oder Wildpflanzen zu begrünen.

Das gute ist: Bereits kleinste Entsiegelungen von mindestens 4 Quadratmetern im Abstand von 50 Metern einen wesentlichen Effekt auf die Biodiversität und die Aufenthaltsqualität. Das bedeutet: wenn wir im öffentlichen und privaten Raum wenig befahrene Strässchen, Randbereiche von Verkehrsflächen, Parkplätze oder Quartierplätze ganz oder teilweise entsiegeln, ist schon viel gewonnen. Selbst auf Rasengittersteinen kann man sein Auto abstellen, zwischen Löwenzahn und Kamille. Aber vor allem auch grössere Leuchtturmprojekte begeistern und lohnen sich für jede Stadt oder grössere Gemeinde.

Nützliche Links

Selber aktiv werden in Stadt und Region Bern

> Klimaanpassungsmassnahmen im Überblick (Stadt Bern > auch anderswo hilfreich)
> Tipps fürs Entsiegeln mit Entsiegelungsleitfaden (Stadt Bern > auch anderso hilfreich)
> nützliche Adressen von Privaten

Links ganze Schweiz

> asphaltknackerinnen.ch (für den Kanton Zürich)
> naturama.ch/natur/fuer-gemeinden/asphaltknacker (für den Kanton Aargau)

> preis-biodiversitaet.ch
> missionb.ch/entsiegeln
> vsa.ch/schwammstadt
> scnat.ch > Biodiversität & Klimaanpassung gemeinsam schützen

Nachteile der Bodenversiegelung auf einen Blick:

«Modellierte Durchschnittstemperaturen in der Nacht vom 19. auf den 20. Juni 2019»
Quelle: Burger, Moritz; Gubler, Moritz (2020). Der Berner Stadthitze auf der Spur – Stadtforschung aus klimatologischer Perspektive. GeoAgenda. 3, 4-9

Hitzeinseln: Ist der Boden einmal versiegelt, kann keine Verdunstung mehr stattfinden. Die Sonnenenergie, die sonst den Verdunstungsprozess speist, wird in Wärme umgewandelt. Diese wird im Asphalt und im Beton gespeichert und strahlt nachts ab, während die Verdunstungskühlung entfällt. So kann sich z.B. der Bundesplatz im Sommer auf 40° aufheizen, während es in Stadtpärken angenehm kühl bleibt. Je begrünter die Umgebung, desto weniger Tropennächte.

Stötrung des natürlichen Wasserhaushalts: Natürlicher Boden filtriert und speichert Wasser, das direkt oder via Pflanzen verdunsten kann. Auf versiegelten Flächen fehlt dieser Puffer. Das Niederschlagswasser fliesst ungenutzt in die Kanalisation. Der Umgang mit den immer häufiger werdenden Wetterextremen wie Trockenheit oder Starkregen wird dadurch erschwert. Der Grundwasserspiegel sinkt ab. Und die Kosten für Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung steigen.

Verlust der Artenvielfalt: Ein Grossteil der Biodiversität befindet sich im Boden. Die Mikroorganismen verlieren durch die Versiegelung den Zugang zu Nahrung, Luft und Wasser. Lebensräume von Tieren und Pflanzen werden zerschnitten und Tierpopulationen isoliert, mit erheblichen Konsequenzen für die Biodiversität und die damit verbundenen «Ökosystemleistungen» (aus der Perspektive des Menschen von Gesundheit bis Ernährung, Mikroklima bis Lebensqualität).  

Die Lösung: Entsiegle wer kann

Immer mehr Städte und grössere Gemeinden erkennen den hohen Mehrfachnutzen von entsiegelten und biodivers begrünten Flächen für die Gesundheit und Aufenthaltsqualität in den Quartieren. In der Stadtverwaltung hat deshalb ein Kulturwandel eingesetzt. Die Architektur ist im Wandel. Jeder Quadratmeter und v.a. auch ein rascheres Tempo zählt.

Interessant: Bereits kleinste Entsiegelungen von mindestens 4 Quadratmetern im Abstand von 50 Metern einen wesentlichen Effekt auf die Biodiversität und die Aufenthaltsqualität. Das bedeutet: wenn wir im öffentlichen und privaten Raum wenig befahrene Strässchen, Randbereiche von Verkehrsflächen, Parkplätze oder Quartierplätze ganz oder teilweise entsiegeln, ist schon viel gewonnen. Selbst auf Rasengittersteinen kann man sein Auto abstellen, zwischen Löwenzahn und Kamille. Aber vor allem auch grössere Leuchtturmprojekte begeistern und lohnen sich für jede Stadt oder grössere Gemeinde.